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Bereits vor der Gründung des Reichenbacher Gesangsvereins im Jahre 1878 hatte ein Lese- und Gesangsverein im Ort bestanden. Dies geht aus den Akteneinträgen des Herzoglich Sächsischen Gerichtsamtes zu Eisenberg aus dem Jahre 1859 hervor. Polizeiliches Aktenverzeichnis B II Nr. 45 begonnen im Jahre 1859:

Der Lese- und Gesangsverein Reichenbach wurde vom Schullehrer Seidel beschuldigt, einmal die Polizeistunde überschritten zu haben und das teure Altenburger Bier getrunken zu haben, statt das billigere einheimische Bier im Gasthaus von Gottfried Rosenkranz.

Die erste Gerichtsverhandlung vor besagtem Gericht fand am 29.Oktober 1859 statt. Schon am 30.Oktober 1862 ist die nächste Eintragung in den Gerichtsakten zu finden. Der Amtsschulze von Reichenbach, Michael Poser sagt aus, dass es dem Lese- und Gesangsverein weniger ums Lesen geht und dass der Verein eine Opposition gegen den Gemeinderat bildet. Am Weihnachtstag 1862 wurde auf dem Tanzsaal "viel Unfug" getrieben. Die Vereinsmitglieder blieben auf der Tanzfläche, auch wenn die Musik aufgehört hatte zu spielen, und sangen Lieder. Am 1.Januar 1863 zogen 24 Mitglieder des Vereins durch das Dorf und sangen in verschiedenen Häusern bei offenen Fenstern, allerdings nicht nach musikalischen Regeln. Darauf hin sah sich der Schullehrer Christian Friedrich Tänzer gezwungen, eine Anzeige an den "hoch zu verehrenden Herrn Justizrat" zu senden. Nach mehreren Verhandlungen versuchten im Februar 1863 die 20 vor Gericht erschienenen Sänger, "ihr Benehmen in den 3 Anklagepunktenm, durch das Fehlen eines geschulten Dirigenten" zu entschuldigen. Trotz erstellter Vermögensübersicht der Angeklagten wurde eine einheitliche Strafe ausgesprochen. Jeder Einzelne hatte drei Tage Bedenkzeit, ob er für einen Tag ins Gefängnis geht, oder es vorzieht, 15 Neupfennige Strafe zu zahlen.

Hinter den Einträgen mit blauem Hintergrund verbirgt sich ein Bild. Zum Anzeigen bitte auf den Eintrag klicken.
10. Mai 1878 Gründung des Männerchores Reichenbach mit der Genehmigung des Statuts und der Eintragung in das Vereinsregister des herzoglichen Landratsamtes Roda.
14. Mai 1878 Von 11 anwesenden Mitgliedern wird Karl Geithe zum Vorsitzenden und Eduard Müller zum Kassierer gewählt.
11. Januar 1879 Zur ersten Jahreshauptversammlung in der Gaststube von Eduard Müller wählen die 18 anwesenden Mitglieder Karl Rosenkranz zum Vereinsvorsitzenden, Eduard Müller zum Kassierer. Als Direktor wird Hermann Müller gewählt.
31. Dezember 1899 Auf der Jahreshauptversammlung werden von 30 Mitgliedern Emil Hädrich zum Vorsitzenden und mit Otto Hädrich erstmals ein Stellvertreter sowie Reinhold Hädrich zum Kassierer gewählt.
31. Dezember 1902 Der Gesangverein zählt 18 aktive und 37 passive Mitglieder und wählt Franz Hädrich als Vorsitzenden. Das Vereinsvermögen beträgt 279,33 Mark.
03. Januar 1903 Durch Abstimmung wird der hiesige Lehrer Bergner zum Dirigenten gewählt. Als sein Stellvertreter wird der Lehrer Jacob bestimmt.
14./15. Juni 1903 Das 25-jährige Gründungsjubiläum zum Pfingstfest beginnt mit einem Festumzug durch den Ort. Es nehmen über 30 Gesangsvereine daran teil.
31. Dezember 1910 Zum Gesangverein Reichenbach gehören 20 aktive und 37 passive Mitglieder.
1910 - 1936 In schwieriger Zeit wirkt Reinhold Kornmann als Vereinsvorsitzender, als Stellvertreter fungiert Franz Böttcher.
1914 - 1918 Durch den 1. Weltkrieg wird das Vereinsleben stark beeinträchtigt. Es fanden 4 Sangesbrüder den Tod.
9./10. Juni 1928 Das 50-jährige Bestehen des Vereins wird mit einem großen Sängerfest unter Teilnahme von 23 Chören aus nah und fern und einer Fahnenweihe gefeiert.
1930 Der Gastwirt Alfred Senf übernimmt die Funktion des Dirigenten und steht dem Männerchor Reichenbach bis 1977 zur Verfügung.
22. Mai 1938 60-jähriges Vereinsjubiläum
1939 - 1945 Von den 15 zur Wehrmacht eingezogenen Sangesbrüdern kehren viele nicht wieder in ihre Heimat zurück.
1947 Die Sangesbrüder Karl Ludwig, Gerhard Seidel und Werner Undeutsch fassen den Entschluss, den Männerchor Reichenbach wieder neu aufzubauen.
1955 Otto Rackwitz wird zum Vereinsvorsitzenden gewählt.
Ostern 1956 Reise zu einem Sängerfest nach Lüdenscheid / Westfalen.
20. August 1956 Ein Gegenbesuch der Lüdenscheider Sänger fand in Reichenbach statt.
1957 Der Chor wird von 30 Männern besucht
12./13. Juli 1958 Großes Sängertreffen mit 20 Chören zum 80-jährigen Jubiläum des Reichenbacher Männerchores.
1960 Joachim Gernhardt übernimmt die Funktion als Dirigent, Alfred Senf steht ihm weiterhin zur Seite.
8./9. Oktober 1966 Sängerfahrt nach Wölferbütt (Rhön).
9. Dezember 1970 Festveranstaltung zu Ehren Ludwig van Beethovens im Saal des "Altenburger Hofes".
11. Januar 1976 Auf der Jahreshauptversammlung wird als neuer Vereinsvorsitzender Michael Pöllath gewählt, als sein Stellvertreter Bernd Undeutsch, als Dirigenten Joachim Gernhardt und Alfred Senf.
24. November 1976 An den Folgen eines tragischen Unfalls verstirbt der Dirigent Joachim Gernhardt.
9. März 1977 Gerhard Förster übernimmt als Dirigent den Reichenbacher Männerchor.
20./21. Mai 1978 Festveranstaltung und Chorkonzert zum 100-jährigen Chorjubiläum.
30. November 1979 Der Männerchor Reichenbach wird im Kreiskulturhaus Stadtroda mit dem Titel "Hervorragendes Volkskunstkollektiv der DDR" ausgezeichnet.
7. Oktober 1981 Mitwirkung in einem Chorprogramm anlässlich der Eröffnung des "Hauses der Kultur" in Gera.
November 1982 Teilnahme des Männerchores an der Fernsehsendung "Alles singt" im Haus der heiteren Muse in Leipzig.
22. Juni 1984 Mitwirkung beim Chorkonzert auf der Freilichtbühne in Oppurg anläßlich der Arbeiterfestspiele im Bezirk Gera.
Juni 1987 Konzert und Festumzug aus Anlaß der 725-Jahrfeier in Reichenbach.
17./19. Juli 1987 Teilnahme an den Feierlichkeiten zur 750-Jahrfeier in Berlin.
7. Oktober 1987 Liedprogramm des Männerchores zur 750-Jahrfeier in Gera.
18./19. Juni 1988 Festabend und Chorkonzert im Saal des Porzellanwerkes zum 110-jährigen Jubiläum des Männerchores.
30./31. Dezember 1988 Erstmaliges Mitwirken beim Schlusschor der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven im Geraer Theater.

Die politischen Ereignisse der Wendezeit gingen natürlich auch an der Gemeinschaft der Reichenbacher Sänger nicht spurlos vorüber. Durch persönliche berufliche Neuorientierungen mancher Mitglieder waren regelmäßige Probenbesuche nicht immer möglich. Doch ein ausgeprägtes Zusammenhörigkeitsgefühl der Gemeinschaft sowie ein ehrgeiziger Chorleiter und Vorstand ließ die Mannschaft nach einer neuen Vereinsgründung 1992 bald wieder in ein ruhigeres Fahrwasser gelangen.

Wie so viele andere Chorgemeinschaften in den "neuen Bundesländern" suchte sich auch der Reichenbacher Männerchor eine Partnerschaft im westlichen Deutschland und fand 1990 mit dem Männergesangverein Ottensoos bei Nürnberg einen Chor, der mental und gesanglich gut zu der Reichenbacher Gemeinschaft passte. Zu den gemeinsamen Treffen spürten die Sänger bald, dass das Vereinsleben trotz politischer unterschiedlicher Entwicklungen ja so unterschiedlich nicht war. Diese Wahrnehmung bestätigte sich auch zu dem Besuch des 1.Chorfestes des Deutschen Sängerbundes nach der Wiedervereinigung im Mai 1992 in Köln.

Selbstverständlich wurden die über Jahrzehnte lang gepflegten Beziehungen zu den Chören in der Region aufrechterhalten und zu vielen Jubiläen und Chorfesten der befreundeten Chorgemeinschaften ausgebaut. Konzerte in den Kirchen von Reichenbach und Umgebung gehörten zu unseren Auftrittsmöglichkeiten wie auch die Ständchen zu Goldenen Hochzeiten im Ort oder bei Mitgliedern des Chores. Unter der Leitung des äußerst engagierten Chorleiters Gerhard Förster, der den Chor fest 3 Jahrzehnte lang zu einem anerkannten Ensemble geformt hat, waren dem Chor auch überregionale Auftritte ermöglicht worden.


7. Mai 1995 Im Auftrage des Bundespräsidenten Roman Herzog erhält der Reichenbacher Männerchor die Zelter-Plakette für mehr als 100-jähriges Chorsingen.
9. März 1997 Beim Regionalausscheid der Männerchöre des Daniel-Elster-Wettbewerbes in der Aula der Universität Jena belegt der Reichenbacher Männerchor hinter den Chören aus Erfurt und Sömmerda den 3. Platz.
19./20. September 1998 Festkonzert zum 120-jährigen Bestehen des Männerchores Reichenbach.
3. Juli 1999 Auftritt mit 1400 Sängern des Thüringer Sängerbundes auf dem Erfurter Domplatz.
2.-6. Juli 2003 125-jähriges Jubiläum des Reichenbacher Männerchores mit Festkonzert im Stadthaus Hermsdorf.

Im Jahr 2006 löste der Chorleiter Rainer Fiala den bewährten Dirigenten Gerhard Förster ab, der aus gesundheitlichen Gründen den Chor verlassen musste. Mit Rainer Fiala knüpfte der Chor mit anderem Liedgut an die erfolgreichen Traditionen des Reichenbacher Männerchores an.

Seit Anfang 2008 gibt es ein Novum in der langen Geschichte des Männerchores - die Chorleitung übernimmt eine Frau. Juliane Rogsch, Musiklehrerin im Schuldienst, beweist neben ihrem musikalischen Können Singestunde für Singestunde, wie man mit einem "Haufen Männern" umgeht, wie man solch eine Gemeinschaft lenkt und leitet. Neben bewährtem Repertoire bringt sie neues Liedgut mit ein.

Im Übrigen ließen sich die Sänger zu jeder Zeit von einem Sprüchlein eines sangesfreudigen schwäbischen Landmanns leiten. Er formulierte es so:

Schaffe ist schön,
singen ist schöner,
beim Schaffe singe ist noch schöner.

Faulenze ist schön,
und beim Faulenze singe
ist noch schöner -

aber beim Faulenze
vom Schaffe singe -
das ist das Allerschönste!